Archiv für den Monat: Dezember 2016

Produktintervention: Anhörung der BaFin zur Beschränkung des Vertriebs von CFDs

Die BaFin hat am 8. Dezember 2016 ein Anhörungsverfahren zu einer von ihr geplanten Allgemeinverfügung zur Beschränkung des Vertriebs von CFDs („contracts for difference“, finanzielle Differenzgeschäfte) an Privatkunden veröffentlicht. Der Entwurf der Allgemeinverfügung sieht die Untersagung der Vermarktung, des Vertriebs und des Verkaufs von CFDs an Privatkunden vor, sofern diese für den Privatkunden eine Nachschusspflicht begründen können. Die Produktintervention auf Grundlage des § 4b WpHG war am Markt bereits erwartet worden. Einige Anbieter von CFDs haben die nun in der angedachten Allgemeinverfügung enthaltenen Anforderungen bereits antizipiert. Daher kann es auch nicht verwundern, dass die Überlegungen der BaFin von Seiten der Branche nicht nur Ablehnung erfahren (vgl. hier und hier). Die Durchsicht des Entwurfs der Allgemeinverfügung offenbart allerdings, dass die Produktintervention auf keinem sonderlich festen Fundament steht. Die BaFin stützt sich namentlich auf keinen von ihr selbst ermittelten Sachverhalt und auf keine empirischen Erkenntnisse zu Missständen oder Beschwerden in Deutschland, denen mit einer Maßnahme gemäß § 4b WpHG zu begegnen wäre. Die zur Begründung des Einschreitens bemühten Gründe überzeugen nicht, zumal sich dieselben Gründe auch auf zahlreiche andere Finanzprodukte übertragen ließen, für die eine Produktintervention nicht in Erwägung gezogen wird. Zu berücksichtigen ist zudem, dass es um die Beschränkung des Vertriebs eines seit langem auch im Retail-Bereich etablierten Produkts geht. Vor diesem Hintergrund ist offen, ob die angedachte Allgemeinverfügung einer ernsthaften rechtlichen Überprüfung standhalten würde.

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Risk Dashboard 4/2016: ESMA sieht hohe Marktrisiken mit stabilem Ausblick

ESMA hat am 1 Dezember 2016 ihren Risikobericht  (Risk Dashboard) zum dritten Quartal 2016  veröffentlicht. Die im zweiten Quartal 2016 ermittelten hohen Kredit- und Marktrisiken in den EU-Märkten sind im dritten Quartal 2016 unverändert geblieben. Das Niedrigzinsumfeld und die hiermit verbundenen Risiken sind weiterhin konstante Risikofaktoren. Daneben haben auch geopolitische Entwicklungen und wirtschaftliche Ungewissheit die makroökonomischen Prognosen negativ beeinflusst. Trotz der anhaltend hohen Hauptrisiken hat ESMA die verschiedenen Risikokategorien (market risk, liquidity risk, contagion risk, credit risk and operational risk) im 3Q16 mit stabilem Ausblick bewertet.

  • ESMA sieht weiterhin hohe Risiken in den EU-Märkten, im Einzelnen hohe Risiken (high risks) am Wertpapiermarkt und erhöhte Risiken (elevated risks) für Investoren, Infrastrukturen und Dienstleitungen.
  • Liquiditätsrisiko im 3Q16 ist weiterhin als hoch (high) bewertet, da Liquiditätsbelastungen in Aktienmärkten, Märkten für Unternehmensanleihen sowie innerhalb von Segmenten der Fondsbranche zu erkennen sind.
  • Das Ansteckungsrisiko ist weiterhin aufgrund der Vernetzung zwischen den verschiedenen Segmenten der Finanzmärkte hoch (high), namentlich aufgrund des Niedrigzinsumfeldes und der damit verbundenen Anreize für risikoreiche Anlagen.
  • Zeichen des Einfließens der Ungewissheit und Volatilität nach dem Referendum im Vereinigtem Königreich sind erkennbar. Dies hat zur Abnahme des systematischen Risikos in den Eigenkapital- und Anleihenmärkten geführt.
  • Die EZB setzt den Kauf von Investment-Grade-Anleihen nicht finanzieller Unternehmen fort. Renditeaufschläge (spreads) von Unternehmens- und Staatsanleihen sind im 3Q16 durchschnittlich gesunken.
  • Die Strategien zur Suche nach höheren Renditen sind weiterhin ein Risikofaktor. Im 3Q16 haben die Anlagen in Emerging-Market-Kapitalbeteiligungsgesellschaften und in auf Anleihen aus Schwellenländern fokussierten Fonds mit Zuflüssen von EUR 27,3 Milliarden deutlich zugenommen. Es handelt sich um die höchsten Zuflüsse seit 3Q14. Erträge aus Eigenkapitalfonds mit Anlagen in der EU haben sich erhöht.
  • Als Konsequenz des Niedrigzinsumfeld hat die Ausgabe von Staatsanleihen mit langen Restlaufzeiten zugenommen. Anleger bevorzugen den zusätzlichen Vorteil der langen Laufzeiten und die EU-Regierungen haben gleichzeitig die durchschnittliche Dauer ihrer Staatsverschuldung mit niedrigeren Kreditzinsen verlängert.
  • Market risk remained very high, yet now with a stable outlook“. Die Märkte stehen weiterhin unter dem Einfluss politischer Entwicklungen. Das Ergebnis des Referendums im Vereinigten Königreich hat die Aktienkurse in der EU-Finanzbranche negativ beeinflusst, was auch zu niedrigeren Aktienkursen im 3Q16 führte. Andere preisbelastende Faktoren resultierten aus der Anzahl notleidender Kredite bestimmter Banken und den (neuen) Bankgeschäftsmodellen im Niedrigzinsumfeld.
  • Die Infrastruktur des EU-Finanzmarkts hat sich allerdings als widerstandsfähig gegenüber der hohen Volatilität von Anfang des 3Q16 erwiesen.