Archiv für den Monat: Dezember 2014

Layering: Risiken bei Veränderung des Handelsinteresses im Eigengeschäft

Layering“ im Börsenhandel bezeichnet das Befüllen des Orderbuchs eines Finanzinstruments mit mehreren oder großvolumigen Scheinaufträgen auf einer Seite in der Absicht, einen gegenläufigen Auftrag auszuführen. Danach werden die Scheinaufträge gelöscht. In der Praxis handelt es sich regelmäßig um Fälle, in denen Orderbücher systematisch und über längere Zeiträume, häufig unter Einsatz algorithmischer Systeme, mit Scheinaufträgen befüllt werden, um den (von vielen Handelsteilnehmern berechneten) indikativen Preis zu beeinflussen und hierdurch Marktinteresse an zuvor eingestellten gegenläufigen Orders zu erzeugen. Zur Vermeidung der Ausführung der Scheinaufträge werden diese häufig so marktfern limitiert, dass nicht mit einer Ausführung zu rechnen ist.

Die deutsche Marktaufsicht über den Börsenhandel hat in jüngerer Vergangenheit unter dem Stichwort Layering wiederholt Vorwürfe gegen einzelne Handelsteilnehmer erhoben. Allein die Sanktionsausschüsse der Frankfurter Wertpapierbörse und der Eurex haben in diesem Jahr eine ganze Reihe solcher Fälle als Verstöße gegen die Marktintegrität sanktioniert. Die BaFin ermittelt ebenfalls in diesen Fällen und hat entsprechende Sachverhalte bereits zum Gegenstand von Strafanzeigen gemacht. Hierauf sollten sich Handelsabteilungen einstellen. Weiterlesen

Designated Sponsor: Nach wie vor Unsicherheit beim aktiven Matching

Designated Sponsors gewährleisten als Liquiditätsspender im vollelektronischen Xetra-1-Handel die Handelbarkeit von Wertpapieren, indem sie dem Markt mit marktnahen Geschäftsgelegenheiten mit gewissem Volumen auf Kauf- und Verkaufsseite (sog. Quotes) zur Verfügung stehen. Die Wahrnehmung dieser Spezialfunktion ist im Verhältnis zur Deutsche Börse AG unentgeltlich, Erlöse werden aus Kursdifferenzen und teilweise aus Verträgen mit den jeweiligen Emittenten erzielt. Über Jahre hinweg haben die in Frankfurt tätigen Designated Sponsors ihre Aufgabe zur Liquiditätsspende weitergehend auch darin gesehen, mit weiteren Orders zusätzliche Handelsmöglichkeiten zu bieten und das Handelsinteresse Dritter zu bedienen (sog. aktives Matching). Mit Xetra-Rundschreiben 015/2014 vom 21. Februar 2014 hat die FWB für die Zukunft klargestellt, dass einseitige Ordererteilungen der Designated Sponsors künftig nicht mehr zu deren originärem Aufgabenkreis gehören. Solche Orders bleiben weiterhin zulässig, sind jedoch nunmehr wie Ordererteilungen sonstiger Handelsteilnehmer zu behandeln und können daher insbesondere nicht mehr von der qualitätsabhängigen Erstattung der Handelsentgelte des Designated Sponsors durch den Börsenträger profitieren. Dies ist jedoch offenbar keine abschließende Regelung zum aktiven Matching. Am 19. November 2014, hat das Verwaltungsgericht Frankfurt am Main die Klage eines Handelsteilnehmers gegen einen auf § 117 Satz 2 BörsO (Marktintegrität) gestützten Beschluss des Sanktionsausschusses des FWB abgewiesen, der aktives Matching durch den Designated Sponsor mit einem Ordnungsgeld belegt hatte (Az.: 2 K 1675/13.F, abrufbar hier). Das Verwaltungsgericht meint, der Designated Sponsor habe mit seinen Orders bzw. den darauf beruhenden Geschäften den unzutreffenden Eindruck wirtschaftlich begründeter Umsätze erweckt. Weiterlesen

ESMA-Konsultationsverfahren zu technischen Standards abgeschlossen: Insiderlisten und automatisierte Überwachungssysteme in der Kritik

Die neue Marktmissbrauchsverordnung  (Market Abuse Regulation, MAR) wird ab 3. Juli 2016 das in allen Mitgliedstaaten geltende Marktmissbrauchsrecht darstellen. Ergänzende bzw. konkretisierende technische Standards sollen als Level 2 Maßnahmen einheitliche Bedingungen in den von der Verordnung erfassten Bereichen gewährleisten. Dazu hat die ESMA im Juli 2014 ein Konsultationspapier (Consultation Paper ESMA/2014/809) mit Entwürfen zu technischen Regulierungsstandards (Regulatory Technical Standards, RTS) und technischen Durchführungsstandards (Implementing Technical Standards, ITS) vorgelegt. Das Konsultationsverfahren ist mittlerweile abgeschlossen, die Stellungnahmen auch der deutschen Finanzwirtschaft liegen vor und sind auf der Homepage der ESMA abrufbar.

Im Fokus der Stellungnahmen der deutschen Verbände stehen insbesondere die von der ESMA geforderten Inhalte der Insiderlisten und der Vorschlag zur Einführung automatisierter Überwachungssysteme zur Aufdeckung von Marktmanipulation. Weiterlesen

Crossings im Börsenhandel: Verdacht der Marktmanipulation ist schnell begründet

Institute führen an der Börse nicht nur Kommissionsgeschäfte im Kundenauftrag aus, sondern tätigen dort regelmäßig parallel Eigenhandels- bzw. Eigengeschäfte oder wickeln interne Handelsgeschäfte über die Börse ab, beispielsweise um Risiken zwischen einzelnen Organisationseinheiten bzw. Teilportfolien zu transferieren. Mitunter sind Institute zusätzlich noch als Market Maker an der Börse aktiv. In der Praxis treffen daher nicht selten Kauf- und Verkaufsaufträge desselben Instituts aufeinander (sog. Crossings) und lösen Börsenpreisfeststellungen aus.

In solchen Crossings sehen Handelsüberwachungsstellen und BaFin infolge des fehlenden Wechsels des wirtschaftlichen Eigentümers nicht allein ein widerlegbares Anzeichen für die Verwirklichung einer handelsgestützten Marktmanipulation, sondern gehen häufig vorschnell vom Verdacht sog. pre-arranged trades (Verstoß gegen § 20a Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 WpHG i.V.m. § 3 Abs. 2 Nr. 2 MaKonV aus und nehmen mit der Versendung von Auskunftsersuchen an die Compliance-Abteilungen der Institute ihre Ermittlungen auf. Diese Ermittlungen können sich neben dem Institut selbst auch gegen konkrete Mitarbeiter der Handelsabteilungen richten.

Aus Compliance-Sicht gilt es, hinreichend vorbereitet zu sein und vorausschauend mögliche Schwachstellen der internen Geschäftsorganisation zu identifizieren. Weiterlesen